Autor Thema: Psychologengesetz 2013  (Gelesen 3606 mal)

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Offline G. Kollmann

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Psychologengesetz 2013
« Beitrag #1 am: So, 14.07.2013 | 20:20 Uhr »
Wie bereits gemeldet, wurde das Psychologengesetz 2013 am 03.07.2013 einstimmig von allen Parteien im Nationalrat beschlossen.

EU-relevante Bestimmungen wie z.B. verpflichtende Berufshaftpflichtversicherung oder die Verpflichtung zur ordentlichen Rechnungslegung treten schon mit 25.10.2013 in Kraft, die Anrechnungs­bestimmungen im § 11 Abs. 5 hinsichtlich von Personen im Status von Asylberechtigten oder subsidiär Schutzberechtigten mit 21.12.2013, alle weiteren Bestimmungen im PG 2013 schließlich mit 01.07.2014. Die endgültige Fassung des nun beschlossenen Gesetzes finden Sie unter nachstehendem Link:  http://tinyurl.com/PsyGes2013

Mit diesem neuen Gesetz ist ein Regelwerk gelungen, welches für unsere Berufsgruppe eine stärkere Professionalisierung und damit eine bessere Positionierung im Gesundheitswesen mit sich bringt und seit langem formulierte Forderungen unserer Berufsgruppe wie einen Tätigkeitsschutz für explizit klinisch-psychologische und gesundheitspsychologische Tätigkeiten, bezahlte Ausbildungs­stellen etc. realisiert.

Wir freuen uns, dass wir in den verschiedenen Phasen der Entstehung dieses Gesetzes mit unserer Expertise unterstützen und so daran mitwirken konnten. Auch während der Begutachtungsfrist konnten wir im Rahmen einer Informations- und Diskussionsveranstaltung mit Frau MR Dr. Paula Lanske, die als zuständige Juristin das neue Gesetz verfasst hat, Anregungen geben. Die offizielle Stellungnahme des Ö.P.F. zum Begutachtungsentwurf können Sie hier nachlesen, einige unse­rer Anregungen wurden auch in den endgültigen Gesetzestext übernommen.

Die langjährige, sorgfältige Vorbereitung des Psychologengesetzes 2013 zeigt sich auch in den rele­vanten Stellungnahmen zu diesem Gesetz, die Sie unter http://tinyurl.com/NRPsyG2013 abrufen können und die im Grundtenor positiv waren. Es hat auch Wortmeldungen und Stellungnahmen, die z.T. auf dem Hintergrund von durchschaubaren Interessen durch bemühtes Missverstehen Ängste geschürt haben, durch Umformulierungen einzelner Gesetzesstellen konnte aber auch hier Klarheit geschaffen werden. Zum anderen Teil hat sich aber auch in den Kommentaren gezeigt, dass bereits seit 1990 bestehende Regelungen (also seit In-Kraft-Treten des derzeitig noch gültigen Psychologen­gesetzes) noch nicht allen im Gesundheitswesen Tätigen bekannt sind.

Nicht nur für die Auszubildenden und die Ausbildungseinrichtungen ergeben sich wesentliche Änderungen, sondern auch für unsere Berufsgruppe — d.h. die bereits in die jeweiligen Liste eingetragene Berufsangehörigen. Wichtig sind dabei für uns v.a. die Übergangsbestimmungen.

Mit In-Kraft-Treten des PG 2013 können genauere Angaben zu beruflichen Tätigkeit eingetragen sowie bis zu vier Spezialisierungen angegeben werden, wobei diese zusätzlichen Informationen auch in den öffentlich zugänglichen Listen veröffentlicht werden. Damit wird es erstmals eine vollständige und offizielle Liste der KP & GP geben, die den Patienten eine Orientierung ermöglicht. Dies ist v.a. angesichts der Tatsache, dass es in letzter Zeit einen Wildwuchs an verschiedenen Listen gegeben hat, wobei eine Eintragung entweder an eine Mitgliedschaft zu einem Verein oder an ein Entgelt gebunden war, sehr positiv zu bewerten.

Für bereits in die Listen eingetragene Berufsangehörige genügt als Nachweis einer Spezialisierung eine Bestätigung über eine fünfjährige schwerpunktmäßige Tätigkeit. Falls diese ausschließlich freiberuflich erfolgt ist, müssen zusätzlich 50 Einheiten Supervision, Intervision oder theoretische Fortbildung vorliegen.

Der Abschluss einer den Bestimmungen des § 39 entsprechenden Berufshaftpflichtversicherung muss dem Gesundheitsministerium bis 31.12.2015 durch eine entsprechende Meldung des jeweiligen Versicherungsunternehmens nachgewiesen werden.

Dazu ist anzumerken, dass wir über die Berufshaftpflichtversicherung noch gesondert detailliert informieren werden, da davon auszugehen ist, dass die Mehrzahl der derzeitigen Berufsangehörigen über keinen den Bestimmungen entsprechenden Versicherungsschutz verfügt und sich dadurch einige Fragen über einen allfälligen Ausstieg aus bestehenden Verträgen, Ergänzungspolizzen etc. ergeben werden.

Auch bezüglich der anderen Bestimmungen wird es noch Informationsbedarf geben. Das Gesundheitsministerium hat nun ein knappes Jahr Zeit, die Durchführung des Gesetzes vorzubereiten, ev. Durchführungsverordnungen zu erlassen und die Abläufe zu organisieren. Auch die Ausbildungseinrichtungen sind nun gefordert, ihre neuen Ausbildungscurricula zu erstellen und organisatorische Strukturen für die neuen Aufgaben zu entwickeln.

Wir werden auf unserer Homepage aktuelle Informationen allen Berufsangehörigen zugänglich machen, konkreten und individuellen Support können wir allerdings aus naheliegenden Gründen nur Mitgliedern des Ö.P.F. bieten.
Gerald Kollmann
Foren-Admin